Alles auf Anfang, Folge 5
Schweizerdeutscher Mitmach- und Mutmach-Podcast über Neuanfang, Veränderung, Chancen und Ängste
08.06.2026 14 min Chris Carlyce
Zusammenfassung & Show Notes
In der fünften Folge von "Alles auf Anfang" werden die wichtigen Themen Glaubenssätze und der Schaden, den sie anrichten und das Selbstbild behandelt.
Transkript
Podcast Folge 5
Passend zum Start in die neue Woche wollen wir heute ein neues Thema anschauen: Glaubenssätze und Selbstbild.
Gerade das Wort Glaubenssätze begegnet einem häufiger in letzter Zeit. Vermutlich liegt das daran, dass sich so langsam herauskristallisiert, wie schädlich die Sätze sind, die wir manchmal schon seit Generationen tief in uns verankert haben, oft, ohne sie zu hinterfragen und ebenfalls häufig, ohne sie überhaupt zu bemerken!
Typische Glaubenssätze sind zum Beispiel folgende:
-Wer keine tolle Karriere hinlegt, ist faul
-Wessen Ehe gescheitert ist, ist ein Versager
Oder die Sätze, die so sehr zur Gewohnheit geworden sind, dass jeder sie kennt und sie zu alltäglichen Sprichwörtern gemacht wurden:
-Was Hänschen nicht lernt, lernt Hans nimmermehr
-Ohne Fleiß kein Preis
-Wer schön sein will, muss leiden
-Übermut tut selten gut
Und so weiter. Wir können sie alle auswendig herunterbeten.
Vieles haben wir von unseren Eltern übernommen, die wiederum haben es von ihren Eltern übernommen und manche Dinge, die uns als Erwachsene die innere Stimme manchmal zuflüstert, wurde uns von unseren Eltern eingepflanzt.
Nicht in böswilliger Absicht, aber doch haben wir ein paar Sachen so oft zu hören bekommen, dass wir sie irgendwann selbst geglaubt haben und diesen Gedanken haben wir dann so oft gedacht, dass er zur Gewohnheit wurde.
Beispielsweise führt es zu folgenden Gedanken:
-Das schaffe ich sowieso nicht
-Ich bin faul
-Ich mache alles falsch
-Ich bin ungeschickt
Und der Klassiker, der allem zugrunde liegt, das Gefühl, das von all den Sätzen, die wir hörten, wenn die Eltern mit uns schimpften, übrigbleibt und uns unser restliches Leben beeinflusst:
Ich bin nicht gut genug.
All diese Glaubenssätze sind schädlich und grausam.
Doch die gute Nachricht ist, dass sie veränderbar sind.
Wir müssen sie zuerst entlarven, denn manchmal kennen wir sie noch gar nicht und müssen erst hinhören und herausfinden, was wir selbst von uns denken, welche Gedanken uns durch den Kopf schießen, wenn wir vor einer Aufgabe stehen oder etwas in uns Angst auslöst.
Diese Sätze müssen hinterfragt werden. Woher kommen sie? Und stimmen sie?
Das Gute ist, es sind nur Gewohnheiten. Und Gewohnheiten lassen sich ändern.
Glaubenssätze lassen sich auflösen oder in positive Affirmationen umwandeln.
Natürlich geschieht das nicht von heute auf morgen!
Es hat ja auch sehr lange gedauert, bis die Sätze in uns verpflanzt waren, nun ist ein großer Baum daraus gewachsen, mit starken Wurzeln und einem dicken Stamm und der lässt sich nicht einfach ausreißen.
Es müssen neue Gewohnheiten gebildet werden und das funktioniert nur durch tägliche Wiederholung.
Wenn ich also meine Kindheit und Jugend zu hören bekommen habe, dass ich es mit meiner Faulheit nie zu etwas bringen werde und mich auch später gerne vor neuen Herausforderungen drücke, weil ich es ja eh nicht hinkriegen werde,
lässt sich das nicht von einem Tag auf den anderen umschreiben.
Aber es lässt sich umschreiben und mit Mut, Wille und Durchhaltevermögen klappt es und wir kriegen vielleicht sogar noch mehr hin, als wir uns vorstellen konnten!
Unser innerer Schweinehund hat da natürlich auch noch ein Wörtchen mitzureden und er wird sich Mühe geben, uns vor Veränderungen abzuhalten!!
Es ist doch so gemütlich, den Abend Chips essend auf dem heimischen Sofa vor dem Fernseher zu verbringen.
Das kennen wir, das sind wir gewohnt, da passiert uns nichts…
Und auch unser Gehirn mag die etablierten Gewohnheiten am liebsten und lässt sie ungern los, denn sie kosten viel weniger Energie als neue Anstrengungen…
Neue Gewohnheiten einzuüben, kostet Energie.
Es ist anstrengend, das Bild, das wir von uns selbst haben, zu verändern.
Und wir tragen dieses Bild von uns als Versager oder als jemand, der abgelehnt wurde, schon so lange mit uns herum, dass uns manchmal der Blick auf das Bild von der Person, die wir sein könnten, verwehrt bleibt.
Es ist anstrengend, sich auf neues Terrain zu wagen und nicht länger die Vergangenheit als Ausrede zu benutzen. Oder die Umstände!
Aber nur so funktioniert der Neuanfang. Wir ändern unsere Gewohnheiten und wir ändern unsere Wahrnehmung von uns selbst und der Welt und unser Leben beginnt, sich zusammen mit uns zu verändern.
Glaubenssätze werden im Laufe des Lebens zu einem Teil unseres Selbstbildes.
Genau wie alle anderen Überzeugungen und Vorstellungen, die wir über uns selbst haben, unsere Gewohnheiten, unsere Art, zu denken und uns zu verhalten.
Und dieses Selbstbild bestimmt unsere Gedanken und Gefühle und somit unsere Handlungen und am Ende unser Leben.
Sehr oft ist man sich dessen gar nicht so richtig bewusst und dass man das Selbstbild verändern kann, ist einem auch nicht immer klar.
Vieles an seinem Selbstbild stammt noch aus der Kindheit.
Wir wurden mit den braven Cousinen und der ordentlichen Schwester verglichen und wenn wir in die Schule kommen, dann geht das Vergleichen und der Wettbewerb erst richtig los.
Wir bekommen Noten, lernen, anderen nachzueifern und werden immer verglichen und abgestempelt.
Ich zum Beispiel war sehr schlecht im Schulsport. Ich war nicht per se unsportlich, in meiner Freizeit habe ich gerne getanzt und mich auch allgemein viel bewegt, doch den Schulsport fand ich einfach ganz schrecklich.
Das schlimmste war das Geräteturnen, wenn man an irgendwelchen Stangen wie ein Kartoffelsack baumelt. Das zweitschlimmste fand ich Leichtathletik und das drittschlimmste waren irgendwelche Gruppenaktivitäten mit Bällen.
Und was wird im Schulsport immer gemacht? Genau….
Warum wird uns nichts Nützliches beigebracht?
Zum Beispiel Wissen über den Körper und Übungen, wie wir ausgleichen können, dass mir viel zu viel sitzen?
Oder Übungen für den Rücken und andere Kräftigungen und das Wissen, wie wichtig das ist?
Oder etwas, das Spaß macht, dem Körper guttut und Menschen verbindet, wie Tanzen?
Oder einfache Grundlagen der Selbstverteidigung, was richtig Nützliches!
Stattdessen werden Dinge gewählt, die man genau messen kann und dann auf einer Liste abhaken und benoten kann.
Es ist ja nicht so, dass wir später im Leben jemals wieder einen Barren zu Gesicht bekämen oder über irgendeine Stange hüpfen müssten.
Außer, man wählt diese Dinge als Hobby oder wird Sportler, dann kann man das getrost trainieren!
Da ich also in der Schule als unsportlich galt und auch Angst vor scharfen Bällen hatte oder die Hin- und Her-Rennerei komplett sinnlos fand, wurde ich, wenn Mannschaften gebildet wurden, immer als eine der letzten oder sogar als letzte ausgewählt.
Nicht, weil ich gemobbt werden sollte oder sonst wie unbeliebt war, ich war einfach schlecht und hatte keinerlei Ehrgeiz, daran etwas zu ändern und die Mannschaften wollten natürlich gewinnen.
Das ist kein Drama und hat mich bestimmt nicht traumatisiert oder so, doch es setzt kleine Stachel und vor allem beeinflusst es das Selbstbild.
Ich war ab da einfach unsportlich und konnte das fortan auch als Ausrede benutzen und als Grund, irgendwelche Sportarten gar nicht erst auszuprobieren.
Und das ist schade.
Wenn man nun in der Schule damit beschäftigt ist, im dauernden Wettbewerb mit anderen zu stehen und ständig verglichen wird, hat das viel Einfluss darauf, wie wir uns selbst sehen.
Wäre es nicht viel schöner, wenn wir den Raum hätten, unsere eigenen Talente zu entdecken und die Zeit und Unterstützung, sie zu entwickeln?
Hier in der Schweiz gibt es im Vergleich mit anderen Ländern sehr viel Förderung, besonders im Bereich des Sports.
Talente werden früh entdeckt und gefördert, ohne, dass es auf den Geldbeutel der Eltern ankommt. Die Wege sind kurz, Dinge wie medizinische Versorgung sind ebenfalls gut verfügbar und das führt dazu, dass die Schweiz trotz der niedrigen Einwohnerzahl überproportional erfolgreich in den unterschiedlichsten Sportarten abschneidet.
Doch zurück zum Selbstbild, welches uns nach der Kindheit und der verwirrenden Zeit der Jugend zur Verfügung steht.
Wenn wir ein gutes Selbstbewusstsein entwickeln konnten, wissen wir, dass es immer jemanden gibt, der etwas besser kann, mehr von etwas hat und das ist okay für uns, wir sind im Reinen mit uns.
Ein geringes Selbstbewusstsein oder ein Minderwertigkeitsgefühl lässt in uns Sätze ablaufen wie:
„Ich wäre gerne schöner oder erfolgreicher oder beliebter, reicher etc.“,
„Immer werde ich ungerecht behandelt, nie erkennt jemand, was ich alles leiste, ich bin immer allein usw.“
Wir entwickeln Eifersucht, Wut, Selbstmitleid und andere negative Gefühle und schlimmstenfalls enden wir in einer Spirale aus negativen Gedanken und Gefühlen, die noch mehr negatives anziehen und sind am Schluss eine wandelnde selbsterfüllende Prophezeiung.
Das „ich bin nicht gut genug“, welches allem zugrunde liegt, ist so schädlich und vermutlich auch der häufigste Irrglaube.
Wir wurden so konditioniert, doch das lässt sich umprogrammieren.
Auf viele Dinge von außen haben wir keinen Einfluss, sei es ein Unglück, das uns trifft oder die Umgebung, in der wir aufwachsen, aber wir können absolut IMMER beeinflussen, wie wir auf diese Dinge schauen wollen.
Wie wurdet ihr konditioniert?
Welche Glaubenssätze wurden euch eingetrichtert und habt ihr es schon geschafft, euch davon zu lösen?
Erzählt davon!
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Erzählt mir eure Gedanken zu den Themen, eure Ideen zu den gehörten Geschichten und erzählt mir eure Geschichte, was ihr erlebt habt zum Thema Neuanfang!
Ich freue mich sehr auf eure Mitteilungen und euer Feedback, vielen Dank!!
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