Alles auf Anfang, Folge 22
Schweizerdeutscher Mitmach- und Mutmach-Podcast über Neuanfang, Veränderung, Chancen und Ängste
19.10.2026 12 min
Zusammenfassung & Show Notes
In Folge 22 geht es um gute Vorsätze und ihr Scheitern und um den Wunsch nach Neuanfang, nicht nur an Neujahr, sondern auch nach Ferien...
Transkript
Podcast Alles auf Anfang – Folge 22
In den Herbstferien waren wir ein paar Tage in Wien und haben meine Tochter und ihren Freund besucht. Wie immer nach Ferien oder Feiertagen tauchten danach ungefragt sofort die üblichen neuen Vorsätze auf und der Wunsch nach Neuanfang und Veränderung.
Ich träume dann auch immer von mehr Reisen, einem nomadischeren Leben und Abenteuern.
Nach den Sommerferien, als wir in Irland waren, war das sehr stark so. Ich war das erste Mal dort, obwohl es schon immer ein Sehnsuchtsort war und ich vor zwanzig Jahren auch ernsthaft überlegt hatte, mich auf einen Job dort zu bewerben und nach Irland zu ziehen.
Irland war einfach grossartig und irgendwie vermisse ich es immer noch. Dublin hat mir wahnsinnig gut gefallen und die Gegend im Nordosten, wo wir eine Woche verbringen durften, war einfach bezaubernd. Wild, windig, grün, natürlich, mit freundlichen Menschen und Unmengen an Schafen.
Die Welt ist ein so wunderschöner Ort und ich würde so gerne mehr davon sehen.
Als Kind waren Reisen noch kein grosses Thema. Wie alle anderen Familien gingen wir höchsten zum Wandern oder Skifahren oder besuchten Verwandte.
Meine Eltern und ich waren jedes Jahr in Adelboden in den Sommerferien, drei Wochen, mit der Katze! Und im Winter waren wir in Hasliberg, ohne die Katze. Meine Mutter ging Langlaufen, mein Vater stapfte durch den Schnee und ich war in der Skischule.
Das war alles sehr schön, aber auch ein wenig langweilig und eintönig.
Als dann in der Sek eine Freundin mit ihrer Familie in den Ferien nach Amerika ging, nach Florida und Disneyworld (mit dem Flugzeug!!), waren wir alle beeindruckt und auch ein wenig neidisch.
Ich schaffte es dann irgendwann, meine Eltern davon zu überzeugen, dass jeder Mensch einmal das Meer gesehen haben muss und so fuhren wir nach Benidorm. Ausgerechnet!! Damals die schlimmste Touristenhochburg überhaupt! Nur Hochhäuser und Touristen, ein riesiger Essenssaal mit unfassbar viel Essen, einfach grauenhaft.
Nach Südfrankreich fuhren wir dann auch noch, das war schöner.
Und dann, mit 16, konnte ich einen Monat nach San Francisco, das war eine unglaubliche Erfahrung. Die Jugendlichen unserer Gruppe waren bei verschiedenen Familien untergebracht und tagsüber haben wir als Gruppe Ausflüge gemacht und Englisch gelernt. Das war so toll und hat mich viel gelehrt.
Danach war ich noch ein paar Wochen in Israel, was ebenso lehrreich war und einfach wunderschön. Die verschiedenen Landschaften, Kulturen, Sprachen, ich habe jede Sekunde davon genossen und alles in mich aufgesogen.
Daneben habe ich einiges von Europa gesehen, mit Freunden in ihren Heimatländern wie Sizilien und Portugal und auf eigene Faust habe ich Frankreich, Italien, Spanien, Kroatien, England, Deutschland und Österreich entdeckt. Und natürlich unsere schöne Schweiz!
Zu mehr hat es bisher leider nicht gereicht, als Erwachsene fehlte mir einfach das Geld dazu, besonders als Alleinerziehende macht man keine allzu grossen Sprünge, aber wer weiss, was noch alles kommt? Ich stehe bereit!
Wie ist das bei euch? Seid ihr Entdecker und dauernd woanders? Oder treue Rimini-Anhänger und jeden Sommer in derselben Zelt-Strasse anzutreffen?
Und kennt ihr das auch? Man kommt von irgendwoher zurück nach Hause und ist voller guter Vorsätze, möchte Ziele erreichen, den Alltag anders gestalten und alles möglich ändern.
Man denkt dann: „bis Weihnachten werde ich keine Süssigkeiten mehr essen“, „bis zum Jahreswechsel werde ich 10 Kilo abnehmen“ und ähnliches.
Geht es euch auch so?
Gute Vorsätze sind natürlich zum Jahresanfang am beliebtesten, scheitern aber in den allermeisten Fällen. Ich glaube, es sind 92% aller Neujahrsvorsätze, die scheitern.
Oft fängt man voller Elan an und nach ein paar Tagen oder Wochen bleibt man doch wieder lieber liegen, als sich zum Sport aufzuraffen oder greift bei Stress zu Schokoriegel oder Zigarette, statt zur Karotte. Die alten Gewohnheiten übernehmen wieder die Kontrolle und man denkt sich nach dem ersten Durchhänger schon, dass man es ja gleich ganz sein lassen kann.
Doch woran liegt das? Natürlich an den starken Gewohnheiten, die sich nicht so einfach über Nacht umprogrammieren lassen, aber auch zu einem grossen Teil an unseren falschen Vorstellungen.
In der Wissenschaft wird das „Planungsfehlschuss“ genannt. Wir setzen uns total unrealistische Ziele und sind viel zu optimistisch, was ihre Durchführung anbelangt.
Wir unterschätzen eigentlich fast immer, wie lange wir für etwas brauchen und sind auch viel zu perfektionistisch eingestellt.
Es hilft ungemein, die Ziele einfach mal zu halbieren. Sie werden dadurch greifbarer und realistischer und die Chancen, sie auch tatsächlich zu erreichen, steigen deutlich, was dann logischerweise einen grossartigen Motivationsschub gibt!
Ebenfalls hilfreich ist es, nicht allzu perfektionistisch zu sein und mit sich selbst nicht zu hart ins Gericht zu gehen.
Man muss nicht auf jedem Gebiet ein Super-Performer sein! Das stresst nur völlig unnötig und irgendetwas oder jemand leidet immer darunter.
Man darf sich dazu entscheiden, den Garten wild wachsen zu lassen, nur einfache Mahlzeiten statt ausgeklügelten Dreigänge-Menus zu kochen und T-Shirts einfach nicht zu bügeln. Wenn die Kinder gesund und glücklich sind und man etwas machen kann, was uns befriedigt, ist das doch viel wichtiger und auch absolut genug.
Der Blick nach rechts und links und ins Internet zeigt uns vielleicht Personen, die in jedem einzelnen Bereich einfach perfekt zu sein scheinen. Immer wunderhübsch anzusehen, mit wohlerzogenen Kindern, toller Karriere, blühenden Gärten und selbstgemachter Marmelade, doch wir sehen nie, was hinter verschlossener Tür vorgeht und hinter dem süssen Lächeln steckt.
Es ist nie so einfach, wie es aussieht und das gilt für jeden.
Wir müssen keine Spitzenleistungen in jedem Bereich erbringen, das ist ohne Hilfe auch einfach nicht möglich und das Streben danach schadet nicht nur uns, sondern auch unserer Familie.
Wenn wir ein paar Bereiche vernachlässigen, können wir uns auf das Wesentliche konzentrieren und dort Erfolge feiern.
Dass dieses Wesentliche uns auch Spass macht, unsere Tätigkeit uns Freude bereitet, ist ebenfalls sehr wichtig bei der Zielerreichung.
Wenn wir uns vornehmen, jede Woche drei Mal joggen zu gehen und nach zwei Wochen abbrechen, weil wir merken, dass das Joggen uns gar keinen Spass macht, haben wir uns wohl das falsche Ziel gesetzt.
Die wichtigsten Faktoren, um etwas zu schaffen, sind die Zufriedenheit und der Leistungserfolg.
Der Leistungserfolg ist das, was man wirklich erreicht und die Zufriedenheit das, was wir fühlen, wenn wir dieser Tätigkeit nachgehen. Macht uns also das Ziel und die dafür nötige Arbeit Spass, erreichen wir es auch mit grosser Wahrscheinlichkeit.
Wir können kleine und grössere Belohnungen bei Zwischenzielen einbauen und so auch bei nervigen Sachen Spass einbauen, oder uns viele kleine Deadlines setzen, die uns dann immer wieder einen kleinen Kick geben.
Auch unser eigener Perfektionismus steht uns oft selbst im Weg und macht die Zielerreichung schwierig bis unmöglich. Wenn wir denken, dass wir nur erfolgreich sind, wenn unser Projekt gleich in den ersten Tagen durch die Decke geht oder erst erfolgreich abgenommen haben, wenn wir 50 Kilo wiegen und ignorieren, dass 60 Kilo schon ein mega Erfolg sind und 70 Kilo einfach super und dann hinschmeissen, wenn es nicht so eintrifft wie erwünscht, klappt es nicht mit dem Erfolg.
Falls wir es bis fast ganz zum Schluss schaffen, kommt dann oftmals noch etwas fieses hinzu. Der sogenannte „Tag vor der Fertigstellung“.
Die ganzen „Was-wäre-wenn-Gedanken“ tauchen dann auf. Was ist, wenn die Kritiker mich zerfleischen? Was ist, wenn niemand in meine Idee investieren will? Was ist, wenn niemand sich für mein Projekt interessiert?
Die einfachste Art, so etwas zu vermeiden, ist, einfach hinzuschmeissen. Einfach schnell ein neues Projekt anfangen. Was nicht veröffentlicht ist, kann nicht zerrissen werden. Was nicht zu Ende ist, kann nicht scheitern.
Aber so werden wir für alle Zeit bereuen, etwas nicht gewagt zu haben. Wir werden später verbittert daran denken, was wir alles nicht getan haben, dass wir nie unser Potenzial ausgelebt haben. Und das ist grausam.
Die Geschichte vom Märtyrer, der seine Träume für seine Kinder aufgegeben hat oder für sonst jemanden, die ist einfach erzählt, doch irgendwann realisiert man, dass sie nur eine Lüge ist.
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Erzählt mir eure Gedanken zu den Themen, eure Ideen zu den gehörten Geschichten und erzählt mir eure Geschichte, was ihr erlebt habt zum Thema Neuanfang!
Ich freue mich sehr auf eure Mitteilungen und euer Feedback, vielen Dank!!
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