Alles auf Anfang, Folge 21

Schweizerdeutscher Mitmach- und Mutmach-Podcast über Neuanfang, Veränderung, Chancen und Ängste

05.10.2026 10 min

Zusammenfassung & Show Notes

In der 21. Folge geht es ums Sich-Verlieben in der zweiten Lebenshälfte.

Transkript

Podcast Alles auf Anfang – Folge 21 Ich habe vor ein paar Tagen einen Artikel über Lilo Pulver gelesen. Den älteren unter uns ist die Schauspielerin vermutlich eher ein Begriff. Sie wird bald 97 Jahre alt, ist nach wie vor fit und fröhlich und würde sich auch gerne nochmals verlieben! Beim Lesen des Artikels hatte ich direkt ihr wunderbares Lachen im Ohr und dachte, „oh, wie wunderschön!“ In letzter Zeit hatte ich auch manchmal, so ganz kurz, den Gedanken, dass es schön wäre, mich wieder zu verlieben. Ich meine, irgendwann passiert es sowieso, da bin ich mir sicher, ich bin schliesslich auch ziemlich gut darin. Doch möchte ich das momentan eigentlich gar nicht. Es stehen grad viele andere Dinge weiter oben auf der Prioritätenliste und das ist gut und richtig und wichtig so und es soll nicht alles wieder durcheinandergeraten wegen irgendeinem Mann. Oder irgendeiner Frau, kann ja auch sein… Wie geht es euch? Wünscht ihr euch einen Neuanfang in der Liebe? Oder seid ihr noch verliebt? Vielleicht sogar ganz frisch? Schreibt mir davon! Ich habe da ein winziges Auge auf jemanden geworfen. Nur ein ganz kleines! Es würde mal wieder hinten und vorne nicht passen, wir haben völlig unterschiedliche Interessen und mit den Kindern und Lebensumständen würde es eh nur Chaos geben, aber trotzdem… Ein ganz kleines bisschen Interesse besteht und ich habe das sichere Gefühl, dass das auch ihm so geht. Kennt ihr das? Es wird nicht geflirtet, es gibt keine Zeichen, und doch spürt man so gewisse Schwingungen, ganz zart nur, aber sie sind da. Und man freut sich ein klein wenig auf die nächste Begegnung. Kein Herzklopfen oder so, einfach so ein kleines Lächeln im Inneren. Irgendwie hätte ich mich gefreut, wenn er gefragt hätte, ob man in den Ferien, wenn jetzt mein Sohn ein paar Tage mit dem Papa unterwegs ist, mal was machen könnte, nicht was großes, Date-mässiges, einfach einen Film anschauen oder in ein Konzert gehen oder irgendwohin zum Quatschen, ohne Hintergedanken oder dem Anschauen der Briefmarkensammlung hinterher. Ohne, dass man denkt, man müsse sich die Beine rasieren oder unbedingt in zwei Tagen irgendwie noch schnell zehn Kilo abnehmen. Einfach was Nettes, um herauszufinden, ob ein Gespräch, das länger als die sonst üblichen fünf Minuten dauert, auch funktioniert und toll ist und ob es vielleicht auf etwas hinführen könnte, wo man sich dann doch die Beine rasieren müsste. Das wäre schön gewesen, oder vielleicht auch nicht. Gefragt hat er allerdings nicht und ich auch nicht, aber ich hatte so ein leises Gefühl, dass er gerne gefragt hätte. Ich habe mir dann Gedanken gemacht zum Thema „sich verlieben in der zweiten Lebenshälfte“. Also so 50 plus, nicht unbedingt 97, wie Lilo Pulver. Ich glaube, das ist eine gute Sache und ich freue mich schon darauf, wenn es tatsächlich irgendwann mal passiert! Man hat doch dann viel weniger Druck, oder? Man muss sich keine Gedanken über gemeinsame Kinder machen oder darum, ein Haus zu bauen und die Karriere zu planen. Man weiß genau, was man will und was man bestimmt nie wieder will, man weiß, wer man ist und was man zu geben hat, man muss niemandem mehr etwas beweisen, denn alle wissen eh schon, worum es geht. Man weiß, dass man zum Beispiel jemanden mit Humor sucht und nicht jemanden mit einem Porsche. Und wenn ein Porsche, dann mit bequemen Sitzen und dem Einstieg nicht zu tief unten… Beide Beteiligten haben Lebenserfahrung und bringen natürlich ein großes Päckchen mit. Ein Päckchen voll mit Erinnerungen und alten Verletzungen, das kann natürlich auch sehr herausfordernd sein. Viele ältere Paare führen dann auch eine Beziehung mit getrennten Haushalten, da sich viele Gewohnheiten über die Jahre etabliert haben und man vielleicht auf einige Routinen nicht mehr verzichten möchte und eh alles doppelt hat und ein gigantisches Haus für den ganzen Krempel bräuchte, was im Alter allerdings ziemlich unpraktisch ist. So entsteht automatisch mehr Freiraum, etwas, was in jungen Jahren oft ein bisschen zu kurz kommt. Ich stelle mir das ganz schön vor! Voller Leichtigkeit, ohne Zwänge und falsche Erwartungen. Und ohne Verhütungsstress! Wir wollen eine Beziehung auf Augenhöhe, mit Ehrlichkeit, Verlässlichkeit und Respekt. Aus meinem Umfeld weiß ich allerdings, dass auch bei den Ü50 noch oberflächliche Vorstellungen vorherrschen. Beispielsweise, dass man möglichst faltenfrei und maximal so und so viele Kilos schwer sein sollte, um noch auf die Piste gehen zu können. Das ist in jungen Jahren schon Quatsch und ungesund, in älteren Jahren noch viel mehr! Besonders jetzt ist es wichtig, authentisch zu sein, denn jetzt geht es nicht mehr um Chemie zur Auswahl des besten Gen-Pools, sondern man möchte geliebt werden, als der oder die man nun mal ist. Mit Ecken und Kanten, Falten und Kurven. Und da man erst jetzt endlich so richtig selbst weiß, wer man ist, soll das auch der Partner sehen. Wir verlieben uns nicht in irgendein optimiertes Bild, sondern in Einzigartigkeit und diese Einzigartigkeit dürfen wir auch leben. Worauf ich mich auch freue, wenn ich daran denke, mich vielleicht wieder einmal zu verlieben, ist, dass ich hoffe, durch all meine Geschichten über die Jahre dazugelernt zu haben und mich nicht wieder in einer Beziehung zu verlieren. Ich denke, dass ich gefestigt bin und weiß, was mir wichtig ist und darauf auch nicht mehr verzichte. Nach all den Beziehungen, in denen ich mehr gab, als ich hatte und weitaus mehr, als ich zurückbekommen habe, in denen ich geschwiegen haben, meine Träume hintenanstellte und mich klein machte, damit andere sich groß fühlen konnten, ist das eine großartige Aussicht. Ich weiß jetzt, dass ich jemanden wählen darf, ohne mich dafür aufzugeben, dass ich jemanden lieben darf, ohne mich selbst zu verraten und ich hoffe so sehr, dass ich das auch kann und werde. Ich würde gerne mit jemandem zusammen alt werden, ganz kitschig auf der Veranda sitzend zusammen in den Sonnenuntergang schauen und einfach nur endlich angekommen und zu Hause sein. Gemeinsam reisen und die Welt entdecken, die Zeit mit der Familie teilen, sich mit Freunden verabreden, von der Arbeit erzählen, all die Dinge tun, die normale Erwachsene nun mal so tun, das stelle ich mir schön vor. Vorstellung und Realität liegen manchmal sehr weit auseinander, ich weiß. Oft machen einem Krankheiten, Demenz oder Tod einen dicken Strich durch die Rechnung, doch bis dahin soll möglichst viel Zeit vergehen, Zeit an der Seite derjenigen, die man liebt. Wie sieht es bei euch aus? Habt ihr Pläne, Wünsche, Hoffnungen in Sachen Liebe in der zweiten Lebenshälfte? Ich halte euch auf jeden Fall auf dem Laufenden über mein Liebesleben, sollte es jemals wieder stattfinden und würde mich freuen, etwas von euch über eures zu erfahren!

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