Alles auf Anfang, Folge 20

Schweizerdeutscher Mitmach- und Mutmach-Podcast über Neuanfang, Veränderung, Chancen und Ängste

21.09.2026 15 min

Zusammenfassung & Show Notes

Die 20. Folge befasst sich mit dem Thema Aufschieben und ist die letzte im wöchentlichen Rhythmus. Künftig ist alle zwei Wochen Mitmach-Mutmach-Montag.

Transkript

Podcast Alles auf Anfang, Folge 20 Die heutige Folge, die zwanzigste, beendet den wöchentlichen Rhythmus des Podcast „Alles auf Anfang“. Künftig ist nur noch jeder zweite Montag Mitmach-Mutmach-Montag. Mitmachen, also mir eine Nachricht schreiben und sich so einbringen, könnt ihr natürlich weiterhin jederzeit, das würde mich sehr freuen! Neuerdings kann ich auch auf den sogenannten sozialen Medien gefunden und angeschrieben werden, das ist auch ein kleiner Neuanfang, ein Weg, den ich allerdings nicht intensiv beschreiten werde. Neben Kind, Job, Haushalt, bald wieder Sport etc. muss ich meine Zeit zwischen vielen Dingen aufteilen und ich habe in den letzten Tagen spontan beschlossen, noch einen kleinen Video-Podcast über meine Bilder etc. zu machen und der wird dann im Wechsel mit diesem hier erscheinen. Ich wurde einige Male gefragt, wie ich dazu kam, die Bilder mit Morsezeichen und mit Ausschnitten aus Songtexten und Zitaten zu malen. Passend dazu und meinem Song „Quotes“, werde ich das dann „Quotes-Cast“ nennen und vermutlich auch in Englisch abhalten, da alle Bilder in Englisch sind und dort dann alles erzählen und ein paar Bilder vorstellen, angefangen mit meinem stümperhaften Video zu „Quotes“… So steht also eine kleine Veränderung, ein Neuanfang an, zusätzlich zu den anderen kleinen Veränderungen. Den Job, auf den ich mich beworben habe, habe ich nicht bekommen, aber das macht nichts, ziemlich sicher hätte es sowieso nicht gepasst. Aber ich weiß nun, dass ich etwas anderes suche und mich da verändern möchte und das ist schon mal eine wichtige Erkenntnis. Ein paar meiner Projekte sind ja nun fertig, sie sind alles andere als perfekt geworden, doch das ist gut so! Nach Jahrzehnten als Perfektionistin musste ich irgendwann lernen, dass es Perfektion einfach nicht gibt und obwohl ich jedes Mal zusammenzucke, wenn ich einen kleinen Fehler sehe oder höre und es mir ganz allgemein furchtbar unangenehm ist, überhaupt etwas von mir zu sehen oder zu hören, lebe ich einfach damit, denn es war wichtiger, alles rauszulassen und die Sachen in ihrer Entwicklung zu begleiten, als Rücksicht auf mein Schamgefühl zu nehmen, eine ja eigentlich ziemlich häufig vorkommende Sache, die auch viele andere betrifft. Es war wichtig, etwas einfach mal fertig zu machen und ich freue mich, dass ich das geschafft habe. Wie geht es euch? Habt ihr auch etwas zum Abschluss gebracht? Oder seid ihr am Vor-euch-her-schieben? Wer immer gerne etwas aufschiebt, ist eine nette Dame, wir nennen sie Eva. Eva hat das Problem, dass sie so gut wie nie etwas pünktlich fertigkriegt, alles nur vor sich herschiebt und es oft nicht einmal schafft, mit einer Aufgabe anzufangen. Sie überlegt aktuell, sich auch mal näher mit dem Thema ADHS zu beschäftigen, ich kann da das Buch über ADHS in der zweiten Lebenshälfte von Dr. Astrid Neuy-Lobkowicz und Dr. Daniel Schöttle wirklich sehr empfehlen, auch die anderen Bücher der genannten sind eine Offenbarung, vieles wiederholt sich natürlich, wenn man alle liest. Eva ist zwar noch nicht in der zweiten Lebenshälfte angekommen, zumindest hoffe ich das nicht, sie ist erst Anfang Dreissig, aber das Buch passt trotzdem, auch, um vielleicht schon das eine oder andere ein wenig planen zu können. Eva erzählt, dass sie nun schon eine Weile beim selben Arbeitgeber tätig ist und immer stärker das Gefühl hat, dass die Kolleginnen und Kollegen sie meiden, weil sie als unzuverlässig gilt, da sie auch bei der Arbeit selten etwas rechtzeitig fertigkriegt. Sie fühlt sich beobachtet und hat auch immer mehr das Gefühl, dass die anderen hinter ihrem Rücken über sie herziehen. Das klingt alles wirklich schrecklich und tut mir sehr leid für Eva!! Sie scheint sich auch sehr viel Mühe zu geben, die Aufschieberei unter Kontrolle zu bekommen, doch das ist gar nicht so einfach. Ich habe selbst einen sehr langen Weg hinter mir in Sachen Prokrastination. In meiner Jugend habe ich einmal ein Geschenk von meinem Patenonkel zu Weihnachten bekommen und wollte mich, wie üblich, per Brief dafür bedanken. Meine Mutter hat zu dem Zeitpunkt nicht mehr an mir geklebt und mich täglich damit gestresst, bis ich es endlich erledigt hatte und so zogen die Tage ins Land. Und die Wochen. Und die Monate. Es wurde Frühling, dann so langsam Sommer und der Punkt, wo es einfach nur noch peinlich ist, überhaupt noch zu schreiben, war dann irgendwann überschritten. Mir ist das heute noch fürchterlich unangenehm, wenn ich daran denke. Das schlimme ist ja auch, dass man nicht nur sowas schnell erledigtes einfach nicht schafft, sondern, dass man täglich daran denkt und sich damit quält. Es ist immer da, dieses „oh, ich muss noch…“, „oh, Mist, schon wieder nicht geschafft.“, „morgen muss ich das dann aber erledigen!“ und so weiter. Es ist immer da, immer im Hinterkopf und begleitet einen überall hin. Die Energie, die das kostet, die Zeit, die man damit vergeudet, darüber nachzudenken! Das Briefchen, das es in meinem Fall war, wäre schon längst geschrieben gewesen und es hätte eine solche Last von einem abfallen können! Ja, und von dieser Jugendlichen bis zu der Frau heute, die so gut wie immer alles gleich sofort erledigt, war es ein langer und steiniger Weg. Aber es gab einige Situationen, in denen mir klar wurde, besonders, als ich dann selbst Mutter wurde, dass es nicht anders geht und dass ich auch keine Zeit und Energie übrighabe, die ich mit solch unnötigen Aufschiebereien verschwenden kann. Punkt! Natürlich gilt das nicht für jeden, oft schafft man es einfach nicht, der Prokrastination Herr zu werden. Das Thema betrifft auch wirklich viele Menschen, vor allem junge Menschen, die noch zur Schule gehen oder studieren leiden oftmals auch tatsächlich psychisch oder körperlich darunter oder erleben schlimme Konsequenzen dadurch. Und von ständigem Aufschieben ohne schwere Folgen, sind sogar etwa 20% der Bevölkerung betroffen. Was also tun?? Wenn es, wie bei Eva, schon Folgen zu schein hat, ist es höchste Zeit, etwas zu unternehmen. In schlimmen Fällen sollte natürlich professionelle Hilfe in Anspruch genommen werden. Aber es gibt auch einige Techniken, die man selbständig anwenden kann. Das Gute ist, dass die Aufschieberitis ein erlerntes Verhalten ist, das man auch wieder verlernen kann. Warum wird überhaupt aufgeschoben? Vor allem, warum wird aufgeschoben, obwohl eigentlich klar ist, dass der Stress und Druck immer schlimmer werden wird?!? Oft handelt es sich ja um Aufgaben, die nicht viel Spass machen. Sei es eine Arbeit für die Uni, die Steuererklärung oder sonst etwas, was anstrengend und unlustig klingt und bei dem die Folgen, wenn wir es aufschieben, nicht schon morgen spürbar sind. Wir nutzen dann Ersatzhandlungen, von denen wir uns schnelle Ergebnisse erhoffen, auch unangenehme Dinge, wie Putzen, werden dann lieber gemacht, da wir dann ein schnelles Resultat haben, das uns zufrieden stellt. Wir haben dann schnell irgendwelche Ausreden parat: Ich bin müde und warte lieber, bis ich fit bin… Grad habe ich nicht genügend Zeit für das Projekt… Erst muss ich noch was anderes erledigen… Mir fehlt noch die Rechnung oder das Buch, ich fange erst an, wenn alles vollständig ist… Und so weiter. Oft ist es auch so, dass Aufgaben, die zu schwammig sind, bei denen zum Beispiel das Abgabedatum nicht völlig klar ist oder die Aufgabenstellung, oder dass zu hoch gesteckte oder unrealistische Ziele zur Prokrastination verleiten. Wenn wir also einen großen Berg vor uns haben und nicht wissen, wie und wo anfangen, fangen wir oft einfach gar nicht an. Oder wenn wir einfach irgendein Thema aussuchen können, wenig Vorgaben und Gliederung vorhanden sind, wird es richtig schwierig. Aufgaben vor sich herschieben kann auch mit Versagensängsten zu tun haben, wenn uns die Anforderungen zu hoch erscheinen oder wir Angst vor Fehlern haben oder zu perfektionistisch sind. Was sind also die besten Tipps für Eva und all die anderen Aufschieber da draussen? Ein guter Plan ist immer super. Die anstehenden Aufgaben sollten kurz mit dem Ziel, dem wann, bis wann, wo, wie lange etc. beschrieben werden. In einem nächsten Schritt sollten diese Aufgaben, wenn sie gross sind, in kleine Schritte, die auch einfach zu erledigen sind, aufgeteilt werden. Die Zeit, in der etwas erledigt werden soll, sollte großzügig bemessen werden, da man sich da oft überschätzt. Wenn man sich dabei nicht gut einschätzen kann, sollte man sich auch eine Weile lang beobachten und sein Arbeitstempo notieren. Ganz gut hilft auch die 5-Minuten-Regel. Für eine Sache 5 Minuten einplanen, das wirkt nicht sonderlich bedrohlich und in den meisten Fällen bleibt man dran, sobald man mal angefangen hat und schafft dann sehr viel mehr, als gedacht. Für viele funktioniert die klassische To-do-Liste nach wie vor gut, das Gefühl, etwas durchstreichen zu können, ist ja auch befriedigend. Es sollten aber die wichtigsten Sachen markiert sein, am besten priorisiert man nach wichtig und dringend, danach dringend, danach wichtig und alles andere fällt oft von selbst von der Liste… Sehr schädlich ist alles, was ablenkt. Das gilt auch nicht nur für ADHSler, auch alle anderen reagieren sofort auf einen Signalton vom Handy oder das Aufploppen von neuen Mails oder Teams-Nachrichten und ähnlichem auf dem Computer. Wir lassen uns super gerne und sehr schnell ablenken, benötigen aber danach wieder bis zu einer halben Stunde, bis wir wieder im Thema sind und bis dann kann sich auch noch der Hunger, der Durst, die volle Blase, die Kollegin vom Nebentisch, der Hund, der vor dem Fenster bellt oder der nervige Song im Radio melden und man findet gar nicht mehr richtig ins Thema zurück. Also, Handy weg und auf lautlos, Mails nur zu bestimmten Zeiten empfangen, den Schreibtisch aufgeräumt halten, nur mit dem nötigsten ausgestattet und das ist schon die halbe Miete! Ebenfalls wichtig ist es, seine Zeit gut einzuteilen. Wenn man von sich weiß, zu welcher Tageszeit man bestimmte Aufgaben am leichtesten schafft, sollte man die dahin legen. Und die Arbeitszeiten und seine Freizeit klar voneinander trennen. Auch kann man sich ruhig ab und zu fragen, warum man aufschiebt, was eigentlich so unangenehm ist und das Ganze einfach mal anders angehen. Und natürlich gehören regelmässige Pausen dazu. Niemand kann sich unendlich lange gut konzentrieren! Wir können auch einfach mal Nein zu etwas sagen, damit wir nicht von allzu vielen Aufgaben erdrückt werden. Und, ganz wichtig: Belohnen! Ist eine Aufgabe erfolgreich abgeschlossen, darf man sich ruhig dafür was gönnen, das haben wir uns verdient! Also, liebe Eva und alle anderen da draussen, packt es an!! Einfach machen! Einfach loslegen! Bis in zwei Wochen!

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