Alles auf Anfang, Folge 19
Schweizerdeutscher Mitmach- und Mutmach-Podcast über Neuanfang, Veränderung, Chancen und Ängste
14.09.2026 11 min
Zusammenfassung & Show Notes
Folge 19: Sagen, was man denkt. Immer? Immer öfters? Oder doch besser auch mal einfach ruhig sein? Und was sagen wir eigentlich so zu uns selbst?
Transkript
Podcast Alles auf Anfang – Folge 19
Das heutige Thema lautet: Sagen, was man denkt.
Wie seht ihr das? Seid ihr Team „immer raus damit, nur so bin ich echt und ehrlich“ oder Team „Reden ist Silber, Schweigen ist Gold… man muss ja nicht immer alles mitteilen, manchmal kann man es sich ja verkneifen und in Frieden weiterleben.“
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Das Thema „sagen, was man denkt“ ist ja oftmals etwas heikel. Es kommt auch vor, dass man sich je nach Situation oder nach Gruppe, in der man sich gerade befindet, unterschiedlich entscheidet, mir geht das oft so.
Wenn man sich in einer Gruppe wohl fühlt, sagt man schliesslich eher, was einem durch den Kopf geht, als wenn man sich eh schon unsicher und klein fühlt.
Kennt ihr das, wenn es einfach flutscht, alles passt, man fühlt sich wohl und selbstsicher, die richtigen Sätze kommen einfach raus, manchmal entsteht auch ein tolles Ping-Pong-Spiel mit jemand anderem, mit dem es rhetorisch grad passt und die Sätze fliegen nur so hin und her!?
Das macht dann so richtig Spass!
Dann gibt es die Situationen, in denen es komplett anders ist, man ist unsicher, verhaspelt sich, atmet dann auch noch falsch, läuft rot an und alles wird immer schlimmer und noch am nächsten Tag denkt man darüber nach, was man da für einen Mist von sich gegeben hat und was man stattdessen hätte sagen sollen.
Und ja auch wollen! Denn es kommt oft gar nicht so raus, wie es sollte. Vielleicht wurde man mit einer Frage überrumpelt und hat einfach zu wenig Zeit, sich erst eine passende Antwort im Kopf zurechtzulegen.
Eigentlich wäre es ja gut und richtig, zu sagen, was man wirklich denkt, natürlich, ohne jemanden zu verletzen.
Denn, wie oft schweigen wir oder passen unsere Worte an? Aus Angst oder Unsicherheit.
Wir wollen keinen Streit und sagen deshalb, „alles ist gut“, wenn wir gefragt werden, ob wir in der Beziehung noch glücklich sind.
Und daraus kann sich dann eine unschöne Abwärtsspirale ergeben. Der Partner hat gefragt und hat seine Antwort erhalten, also muss er ja annehmen, dass wirklich alles gut ist. Oft spürt man zwar, ob das die Wahrheit ist oder nicht, manchmal aber auch nicht oder man will es nicht wahrhaben und dann nimmt man einfach an, dass die Antwort stimmt und gibt sich damit zufrieden.
Sollte sich dann irgendwann herausstellen, dass doch nicht alles so rosig ist, ist das schon sehr unfair. Ich muss mich da sehr fest an der eigenen Nase nehmen, diese Situation gab es so oft und ich wäre froh, hätte ich dann ehrlich sein können, auch wenn es zu einem Konflikt gekommen wäre. Es hätte mir viel erspart und so gesehen auch meinen Partnern, obwohl das keine Beziehungen auf Augenhöhe waren und es schon Gründe gab, warum ich nicht immer die Kraft hatte, mich hinzustellen und zu sagen, was ich dachte.
Wenn wir sagen, was wir denken, sind wir echt und ehrlich. Werden wir dann trotzdem abgelehnt, werden wir abgelehnt wegen der Person, die wir nun mal sind und das ist okay, das ist dann halt einfach so.
Werden wir aber abgelehnt für die Person, die wir gar nicht sind, weil wir uns nie so geben, sondern eigentlich dauernd etwas vorspielen, ist das schon ziemlich traurig. Oder was meint ihr?
Wir sollten also nicht lächeln, obwohl wir eigentlich gerade wütend sind. Wir sollten uns nicht dauernd selbst zensieren, denn wenn auf uns nur Zensur-Sticker kleben, sieht man irgendwann die Person darunter gar nicht mehr. Sie verschwindet einfach…
Wir sollten sagen, was wir wirklich denken, auch wenn die Stimme zittert und der Kopf hochrot ist. Auch wenn es Folgen hat.
Doch wir sehen uns dann wenigstens noch, ohne Zensur-Sticker.
Natürlich ist damit nicht gemeint, dass man immer absolut alles raushauen soll! Das gilt besonders auch für das Internet.
Dort sollte nichts gesagt oder geschrieben werden, was man dem anderen nicht auch direkt sagen würde, finde ich.
Es gibt Regeln des Anstands, des Taktes und der Moral und diese sollten eingehalten werden, so kann jeder sich in der Gesellschaft gut und sicher fühlen.
Wir sind Menschen und sind mit Empathie ausgestattet, die einen mehr, die anderen weniger, wieder andere aufgrund einer Besonderheit im Gehirn oder einer Persönlichkeitsstörung gar nicht, aber die meisten von uns können durchaus abschätzen, wie es sich für jemanden anfühlt, wenn wir ihm sagen, dass seine Nase das Schlimmste ist, was man je gesehen hat oder eine andere Nettigkeit.
Wir können uns einfühlen und wenn es etwas ist, das wir auch nicht gerne hören wollen, dann sollten wir es auch nicht sagen, oder?
Ich bin ganz allgemein der Meinung, dass man nicht immer alles rausposaunen muss.
Oft scheinen viele Menschen andere Meinungen nicht mehr aushalten zu können, das hatten wir ja bereits einmal. Dabei ist es doch in Ordnung, wenn jemand anderer Meinung ist!
Wie geht es euch damit?
Ich sage ab und zu mal nichts zu Sachen, die jemand erzählt, auch wenn ich denke oder sogar weiß, dass der andere komplett falsch liegt.
Es fällt einem kein Zacken aus der Krone, wenn man nicht an jedem Weltbild in seinem Umfeld rüttelt. Wenn natürlich jemand sagt, dass es okay ist, mit 200 durch den Gotthardtunnel zu fahren und man weiß, dass es das nicht ist, sollte man das schon sagen, bevor der andere das ausprobiert, klar!
Aber wenn jemand überzeugt davon ist, dass Globuli wirken, lasst ihn in dem Glauben, das tut niemandem weh und der Placebo-Effekt soll ruhig seine Wirkung entfalten können!
Ich glaube, der beste Weg ist es, bei schwierigen und wichtigen Dingen immer erst eine Nacht darüber zu schlafen, bevor man sagt, was man zu sagen hat.
Das hilft dabei, seine Emotionen von der Sachlichkeit zu trennen.
Sehr wichtig bei dem Thema „sagen, was man denkt“ ist, was wir selbst zu uns sagen!
Die Themen hängen auch zusammen. Studien zeigen deutlich, dass Menschen, die sich selbst stark kritisieren, mehr Depressionen und Schwierigkeiten in Beziehungen haben. Sie kommunizieren dann unsicherer und defensiver, was zu Konflikten führt. Auf der anderen Seite stärken positive innere Gespräche unser Selbstbewusstsein und unsere Resilienz und wenn wir in der Lage sind, Mitgefühl mit uns selbst zu haben, sind wir auch eher in der Lage, Mitgefühl mit anderen zu haben.
Wisst ihr, wie ihr mit euch selbst umgeht?
Falls nicht, achtet mal darauf und versucht, eine Woche lang ein Tagebuch dazu zu führen.
Seid ihr nett zu euch und redet ihr mit euch wie mit einer Freundin oder einem Freund?
Oder seid ihr gemein und macht euch dauernd schlecht?
Ich selbst gehöre auf jeden Fall zur zweiten Gruppe und muss unbedingt daran arbeiten, da ist ein Neuanfang dringend nötig!
Sehr viele gehören zur zweiten Gruppe.
Niemand ist so grausam zu uns wie wir selbst, niemand verurteilt uns so hart oder verlangt so viel von uns, wie wir selbst.
Wir reden uns ein, dass wir nichts wert sind und nichts schaffen und sabotieren so unser ganzes Leben. Meist, ohne es zu merken. Denn oft hören wir die gemeine Stimme in unserem Kopf nicht einmal bewusst.
Die Stimme, die sagt: du Versager, schon wieder hast du etwas nicht geschafft. Du Niete, immer machst du alles falsch. Du faules Stück, schon wieder hast du die ganze Tüte Chips in dich reingestopft. Und so weiter…
Diese Stimme prägt uns, denn aus ihren Sätzen werden Taten und aus denen das ganze Leben.
Wir müssen uns nicht selbst belügen, uns sagen, dass wir uns großartig fühlen und dass wir auf jeden Fall fit genug sind für einen Aufstieg aufs Matterhorn, wenn wir nach ein paar Treppenstufen schon außer Puste geraten, nein, aber wir müssen nett und verständnisvoll und vor allem respektvoll mit uns selbst umgehen!!
Uns aufbauen, uns sagen, dass es dieses Mal nicht geklappt hat, wir aber etwas gelernt haben und das nächste Mal besser sein werden, einfach unsere Freunde sein!
Das kann man üben, man kann darauf achten, was diese Stimme zu uns sagt und es aktiv ändern.
Denn, ganz ehrlich, wenn wir uns nicht respektieren, wer dann? Wenn wir nicht an uns glauben, wer denn dann?
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Ich freue mich sehr auf eure Mitteilungen und euer Feedback, vielen Dank!!
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