Alles auf Anfang, Folge 18
Schweizerdeutscher Mitmach- und Mutmach-Podcast über Neuanfang, Veränderung, Chancen und Ängste
07.09.2026 13 min
Zusammenfassung & Show Notes
Scheitern, während man tut, was man liebt...
Bei mir gibt es ein paar Kleinigkeiten, die anstehen. Veränderungen und abgeschlossene Projekte. Werde ich damit scheitern? Vermutlich schon, aber das macht nichts, denn ich habe gemacht, wofür ich brenne :)
Bei mir gibt es ein paar Kleinigkeiten, die anstehen. Veränderungen und abgeschlossene Projekte. Werde ich damit scheitern? Vermutlich schon, aber das macht nichts, denn ich habe gemacht, wofür ich brenne :)
Transkript
Podcast Alles auf Anfang, Folge 18
In der letzten und in den nächsten beiden Wochen gibt es für mich mehrere kleine Ereignisse zu feiern, Premieren und vielleicht auch Neuanfänge?
Es ist nun ein Jahr her, dass ich hierhergezogen bin und das war ein insgesamt tolles Jahr mit viel Input für mein Gehirn, viel Arbeit und unzähligen kleinen ersten Malen.
Dann werde ich bald 50. Ein sehr einschneidendes Erlebnis!
Früher waren Menschen, die 50 waren, steinalt für uns und heute, selbst an der Schwelle, fühle ich mich noch überhaupt nicht so alt.
Ich habe Glück, denn ich bin sehr gesund und dafür bin ich dankbar!
Ich war auch beim Hausarzt und werde nun meine ADHS-Diagnostik erhalten, bis dahin wird es allerdings noch etwa fünf Monate dauern.
Die letzte Zeit bin ich ziemlich unruhig und alles in mir schreit nach Veränderung. Kennt ihr das?
Nachdem ich alles aufgeräumt habe, was es aufzuräumen gab und umstellte, was sich umstellen liess, möchte ich nun am liebsten Umziehen, wobei das nicht wirklich eine Option ist, das Haus hier ist viel zu perfekt!
Ich habe Platz für meine Bilder, meine Instrumente, Malsachen und was man halt so braucht und das ist super toll!
Aber ein neuer Job muss unbedingt her. Ich habe mich am Wochenende auch das erste Mal seit dem Umzug hierher auf eine Stellenanzeige beworben und bin schon sehr gespannt, wie es weitergeht.
Ich mag die Buchhaltung zwar insgesamt, doch sie langweilt mich auch immer mehr. Es gibt nichts mehr Neues, Überraschendes und die Sinnlosigkeit des Ganzen macht mir grad sehr zu schaffen.
Jeden Monat schreibt man denselben Mandanten dieselben Sachen, bearbeitet den immergleichen Wust an Rechnungen und Belegen und wenn dann alles fertig ist, geht es wieder von vorne los.
Man sieht kein Ergebnis, wie ein Schreiner, der einen schönen Schrank hergestellt hat und der sieht, was er geschafft hat, man bringt niemanden weiter in seinem Leben oder seiner Entwicklung, niemand hat etwas davon.
Früher hat mich das nicht gestört, ich habe mich viel zu gerne in der großen Menge Zahlen verloren und alles perfekt geordnet…
Auch die sozialen Kontakte fehlen, die lieben alten Kolleginnen sind weit weg und hier ist sonst meist niemand. Und das ist sehr ungesund.
Aber, wie schon einmal erwähnt, hatte die selbstauferlegte Einsamkeit durchaus seinen Zweck, ich konnte endlich in Ruhe und mit mehr Zeit an meinen Projekten arbeiten und nun neigt sich alles seinem Abschluss zu.
Meine Bilder sind fertig, soweit wie ich sie fertig haben wollte und ab dem 9. werde ich sie veröffentlichen.
Die Songs, die am dringendsten aus mir rausmussten, sind raus und ich habe sogar noch die Zeit gefunden, zwei Podcasts zu machen.
Diesen hier, bei dem ich mir alles Mögliche von der Seele und aus dem Kopf reden kann und ein bisschen Kommunikation mit euch da draußen stattfindet und seit Mitte August noch einer für Kinder, bei dem sie mitbestimmen können, wie die Geschichten weitergehen.
Ich würde gerade sehr gerne einen Monat vorspulen, um zu sehen, wie alles so läuft und ob ich den anderen Job bekomme, aber ich muss mich wohl einfach noch ein wenig gedulden, was schwer fällt…
Wobei ich mir etwas unsicher geworden bin, was den Job betrifft.
Es klang alles spannend und neu und herausfordernd und ich habe mich voller Begeisterung an die Bewerbung gemacht, doch nun überlege ich, ob ich wirklich geeignet bin.
Nicht aus Torschlusspanik oder Angst vor was Neuem oder so, sondern weil man bei dieser Arbeit auch belastbar sein muss. Im ersten Eifer dachte ich, ich bin ja belastbar, aber inzwischen denke ich: “ich bin sehr belastbar, was mich selbst angeht, aber nicht bei anderen. Wenn ich mitbekomme oder auch nur lese, dass jemand ein Kind gequält hat oder ein Tier oder eine Frau, so etwas ertrage ich nur sehr schlecht und kriege ich sehr lange nicht mehr aus dem Kopf.
Was bedeutet das nun für mich?
Darf niemand anderes gequält werden, bei mir ist es aber okay? Bin ich weniger wert? Sind solche Glaubenssätze tatsächlich noch vorhanden, ganz tief drin??
Wir sind doch alle gleich viel wert! Wie in dem Gedankenspiel mit dem zerknüllten und in den Dreck geworfenen 20-Franken-Schein. Obwohl er zerknüllt und schmutzig ist, ist er immer noch genau gleich 20 Franken wert. Und wenn wir durch schwere Zeiten gingen und durch den Dreck gezogen wurden, so sind wir trotzdem genau so viel wert wie alle anderen!
Naja, mal schauen, was aus der Bewerbung wird. Vielleicht bin ich ja zu alt…
Nach so vielen Minuten Geschwafel nur über mich, möchte ich zum eigentlichen Thema von heute kommen.
Für die paar Leute, die sich nicht schon längst ausgeklinkt haben, weil sie zu Recht dachten: „was babbelt die Frau denn heute wieder!?“, wird nun vielleicht die überlange Einleitung klar.
Das Thema heute heißt: Scheitern, während man etwas tut, was man liebt.
Scheitern gehört ja einfach zum Leben dazu.
Als keine Kinder scheitern wir andauernd, beim Laufen lernen sieht man das sehr eindrücklich, aber auch bei allen anderen Entwicklungsschritten. Wir bleiben dran, rappeln uns wieder auf und versuchen es nochmals.
Auch später, wenn wir beispielsweise eine Sportart, ein Instrument oder etwas anderes erlernen, scheitern wir täglich und lernen daraus.
Beobachtet man die Jugendlichen auf einem Skateboard-Platz, kann man dem richtig gut zuschauen.
Werden wir älter und die Themen ernsthafter, wird es auch etwas schmerzhafter, zu scheitern und es fällt uns nicht immer leicht, es nochmals zu probieren.
Wir schaffen Prüfungen nicht und haben Angst vor dem nächsten Versuch, wir bekommen Jobs nicht und das kratzt an unserem Selbstbewusstsein, wir scheitern in Beziehungen oder an uns selbst und das alles beeinflusst, wie wir uns beim nächsten Versuch verhalten.
Jeder von uns hat auch Träume, die nicht ganz so leicht zu erreichen sind und vielleicht auch nichts mit dem normalen Lebenslauf, der Ausbildung etc. zu tun haben.
Jeder hat ein Hobby oder eine geheime Leidenschaft, für die er brennt oder Ideen, die auf ihre Umsetzung warten.
Doch wenn uns etwas wirklich wichtig ist, fangen wir oft gar nicht erst damit an.
Wir fragen uns:
Was passiert, wenn ich scheitere?
Was passiert, wenn ich doch nicht so gut bin, wie ich es mir immer vorstelle?
Was passiert, wenn alle über mich lachen oder es gar niemanden interessiert, was ich da so mache?
Was passiert, wenn ich alles verliere, das Geld, das ich ins Projekt gesteckt habe oder anderes?
Wir sagen uns, dass es nicht der richtige Moment ist, etwas zu versuchen, dass wir erst abnehmen müssen oder noch mehr üben oder lernen, oder dass unsere Sachen noch nicht perfekt sind, dass wir gerade zu wenig Zeit dafür haben, obwohl wir eigentlich nur rumsitzen und träumen.
Wir stellen uns vor, wie wir an der Stelle anderer stehen, die etwas gewagt und geschafft haben, wie wir den Oscar, den Grammy oder eine Goldmedaille entgegennehmen, das Cover eines Heftes zieren, auf einer Yacht vor Dubai rumschippern oder mit einer Rakete die Erde umkreisen.
Wir verstecken uns hinter Ausreden und Perfektionismus, während die Zeit verstreicht.
Wir träumen von einem anderen Ich, das alles geschafft hat, müssen in der Realität aber nichts dafür tun, nichts riskieren, nichts opfern. Dieses Ich existiert nicht und wird auch nie existieren, wenn wir nicht ins Handeln kommen.
Das zu tun, wofür man brennt, kostet Energie, Zeit und Mut, oft gibt es Kritik und schlaflose Nächte, doch das ist es wert, weil man dann das gemacht hat, was man liebt.
Die, die etwas Aussergewöhnliches erreicht haben, neue Ideen umgesetzt haben und Risiken eingegangen sind, hatten auch Angst. Der Unterschied ist: sie haben es trotzdem getan. Mit der Angst.
Für die großen Schritte ist man nie wirklich bereit und sie lösen immer Ängste und Schwindel aus. Doch wenn man wartet, bis man bereit ist oder nicht mehr zittert, wird man es nie tun!
Man wächst nicht an den Dingen, die man schon kann, die Sicherheit bieten und wohlige Wärme, sondern an den Herausforderungen, an allem, was man trotzdem tut.
Jeder hat diesen Punkt im Leben, wo man sich entscheiden muss. Bleibt man, wie, wo und wer man ist oder wagt man den Sprung?
Schiebt man alles weiter auf, aus Angst vor dem Scheitern? Oder tut man es trotzdem?
Scheitern ist nicht schlimm, es ist normal und gehört zum Leben und zur Entwicklung.
Und wenn wir bei etwas scheitern, was uns wirklich etwas bedeutet, dann können wir mit hoch erhobenem Kopf scheitern.
Denn wir haben uns etwas getraut, wir haben gemacht, wovon wir geträumt haben und das gibt uns Kraft.
Trauen wir uns nicht und machen nichts, sind wir auch gescheitert, und das gibt uns nicht Kraft, sondern Reue und Bitterkeit.
Ich entscheide mich für das Scheitern bei dem, was ich liebe. Es wird Kritik geben, Spott und Desinteresse, doch ich mache trotzdem weiter.
Wie ist das bei euch? Träumt ihr noch oder macht ihr schon?
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Erzählt mir eure Gedanken zu den Themen, eure Ideen zu den gehörten Geschichten und erzählt mir eure Geschichte, was ihr erlebt habt zum Thema Neuanfang!
Ich freue mich sehr auf eure Mitteilungen und euer Feedback, vielen Dank!!
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