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Alles auf Anfang, Folge 14

Schweizerdeutscher Mitmach- und Mutmach-Podcast über Neuanfang, Veränderung, Chancen und Ängste

10.08.2026 13 min

Zusammenfassung & Show Notes

Wir greifen nochmals das Thema Einsamkeit auf, heute allerdings nicht die Einsamkeit eines einzelnen, sondern als gesellschaftliches Phänomen mit vielen Betroffenen.

Transkript

Podcast Folge 14 Ich möchte ganz gerne nochmals auf das Thema Einsamkeit zurückkommen, welches wir schon mal hatten, aber dieses Mal als gesellschaftliche Betrachtung. Die letzten Wochen bin ich mehrfach mit dem Thema in Berührung gekommen, durch aktuelle Studien und Artikel und ich denke, es braucht da ganz dringend einen Neuanfang! Wenn wir an Einsamkeit denken, kommt uns vielleicht als erstes die alte Oma in den Sinn, die, Tag ein, Tag aus, zuerst am Fenster, dann vor dem Fernseher sitzt, die Kinder und Enkel weit weg, der Mann verstorben, genauso wie die anderen Mitglieder vom Frauenkränzchen oder Gesangsverein. Doch dieses Bild stimmt nur bedingt. Laut Studien sind die Über-60-jährigen deutlich seltener einsam, als die Unter-30-jährigen. Das Thema hat natürlich besonders in Corona-Zeiten Aufmerksamkeit erhalten, aber auch seither begegnet man ihm immer wieder. Von einer Epidemie, wie man es oft liest, zu sprechen, finde ich übertrieben, da die nackten Zahlen nicht auf eine solche Steigerung hindeuten und außerdem das Wort viel zu reißerisch ist. Blickt man auf die Zahlen, die weltweit erhoben werden, sieht man, dass die Einsamkeit bei Bewohnern von Städten größer ist als auf dem Land, bei Menschen mit niedrigeren Einkommen und bei Singles ebenfalls größer und bei Frauen etwas weniger hoch als bei Männern. In Landkreisen mit größerem Zusammengehörigkeitsgefühl zeigt sich, dass die Zahlen etwas niedriger sind als in anderen und eben, dass sie bei jungen Menschen am höchsten sind. In den USA kommen auch noch höhere Zahlen bei Menschen mit mehrfachen ethnischen Zugehörigkeiten dazu, was sich bestimmt auf andere Länder übertragen lässt, dort aber einfach gut erforscht ist. Das meiste sind logische Folgen unserer Lebensweise. In Städten ist man nun mal anonymer unterwegs als auf dem Land, wo man die ganzen Nachbarn kennt und nicht so schnell Gefahr läuft, wochenlang unentdeckt tot in der Wohnung zu liegen. Man hat persönlichere Beziehungen zum Postboten und der Kassiererin im Geschäft, kennt alle Stammgäste in der örtlichen Beiz mit Vornamen und ist vielleicht auch noch in einem Verein, und wenn es nur aus Tradition ist. Mit etwas Glück ist man noch in die Betreuung der Enkelkinder oder als Babysitter bei den Nachbarskindern eingebunden. Durch die Flucht in die Städte dünnen die Dörfer allerdings unweigerlich aus. Mehr und mehr überaltern die einfachen und entlegeneren Dörfer weltweit, während sich die Menschen in Mega-Cities zusammenpferchen und ohne den Rückhalt der Großfamilie, wie man sie früher kannte, um’s Überleben kämpfen. Dass die Einsamkeit bei Leuten, die niemanden haben, der zu Hause auf sie wartet, höher ist als bei Menschen in Beziehungen, ist nun nicht allzu verwunderlich und dass Leute, die finanziell knapp dran sind und nicht dauernd in’s Theater, in Konzerte oder in die Ferien gehen können, einsamer sind als die, die das können, ist ebenfalls nicht wahnsinnig erstaunlich. Die Differenz bei Frauen und Männern ist vielleicht auch ein wenig subjektiv, da viele Männer zu denken scheinen, dass sie mindestens 10 gute Kumpels haben müssten, aber nur die Hälfte haben, während bei Frauen oft ein-zwei beste Freundinnen ausreichen. Die Sache mit den Landkreisen habe ich aus einer deutschen Studie, die zeigt, dass die Einsamkeitszahlen in Bayern weniger gravierend sind als in den anderen Bundesländern und gerade bei den Bayern herrscht sehr dieses „wir sind Bayern“-Ding vor, was einen sich etwas weniger einsam fühlen lässt. Das lässt sich aber auch auf andere Regionen übertragen. Die Einsamkeit der Jugendlichen und jungen Erwachsenen lässt sich zu einem großen Teil auf die übermässige Nutzung der sogenannten sozialen Medien zurückführen. Wer 10 Stunden jeden Tag am Handy ist und daneben noch arbeiten oder zur Schule gehen muss und auch noch etwas Schlaf braucht, hat nun mal keine Zeit für Freunde in der echten Welt. Auch wenn man auf Instagram und Co. 1000 Freunde hat, ob man sie tatsächlich alle kennt oder nicht, sei dahingestellt, und viele Likes mit seinem neuesten Selfie kassiert, hat man dadurch nicht automatisch Menschen an seiner Seite, die man anrufen kann, wenn man ein Problem hat oder die zum Geburtstag vorbeikommen oder die man bei der eigenen Hochzeit dabeihaben will. Viele Junge klagen auch über leere soziale Batterien, was kein Wunder ist, wenn man im Sog der süchtig machenden Algorithmen feststeckt und dauernd das Gefühl hat, etwas zu verpassen, wenn man nicht alle paar Minuten auf’s Handy schaut. Bei Jugendlichen kommen oft auch noch familiäre oder finanzielle Probleme, Mobbing in der Schule oder im Netz, Angst vor Versagen bei sozialen Aktivitäten und ungenügende emotionale Unterstützung dazu und das alles wird natürlich schön verstärkt von der inszenierten Zurschaustellung von Familien und Freundschaften im Netz. Was dazu ein großer Punkt ist, sind die Zukunftsängste und da sollten vor allem Eltern oder Menschen in Rollen der Mentoren unbedingt aufpassen und gegensteuern. Oft gerät man online in einen Rattenschwanz aus schlechten Nachrichten und bräuchte danach doppelt so viele gute Nachrichten, um das einigermaßen auszugleichen. Doch was kriegen die jungen Leute zu hören, sobald sie aus dem Kinderzimmer treten? Ihr habt eh keine Zukunft, die Welt geht vor die Hunde, ihr werdet mal keine Rente haben und euch niemals ein Eigenheim leisten können und sowieso mit 40 noch zu Hause wohnen, weil die Mieten so hoch sind. Überall Krieg, Düsternis und dazu noch der Klimawandel und die isolierende Pandemie, in der sie aufwuchsen. Das kann ja nur hilflos und hoffnungslos machen. Dabei ging es uns noch nie so gut! Dazu kommt, dass das Generationen sind, die oft sehr behütet wurden, auf Spielplätzen ohne riskante Geräte spielten, mit dem Auto zur Schule gebracht wurden und oft ein ganzes Programm an außerschulischen Aktivitäten durchliefen, statt einfach mal mit Freunden durch den Wald zu streifen. Und so auch weniger Risiken kennenlernte, weniger Erfolgserlebnisse und Selbstständigkeit hatte und entsprechend weniger Selbstvertrauen aufbauen konnte. Ich bin nicht der Meinung, dass früher alles besser war, überhaupt nicht. Aber wenn ich lese, dass heutzutage viele Jugendliche keinen Alkohol trinken und nicht mehr auf Partys gehen, aus Angst vor K.O.-Tropfen und Missbrauch, finde ich das einerseits sehr vernünftig, andererseits sehr traurig. Und es stellt sich vor allem die Frage, wo sie denn dann hingehen. Zu Hause am Handy sitzen? Die Welt dort drin ist noch viel gefährlicher!! Wir müssen ihnen doch Räume und Erlebniswelten bieten können, wo sie sicher sind und Spaß haben können, oder? Schon ganz kleine Kinder sitzen deutlich zu viel am Bildschirm und die Interaktion mit den Eltern, die so wichtig ist, findet oftmals kaum noch statt. Wenn ich an all die Kinder in Buggys mit Handy vor der Nase, beim Zahnarzt im Wartezimmer alleine auf dem Boden hockend, die Eltern am Handy, denke und an die bahnbrechende Erfindung einer Mutter aus Australien oder sonstwo, die ein Buch verkauft, wo man das Handy reinlegt, damit das Baby denkt, man sei am Lesen, wird mir einfach nur schlecht. Geht es euch auch so? Zur Einsamkeit, die viele Menschen heutzutage verspüren, kommt als weiterer Effekt auch noch eine große politische Spaltung. Viele junge Menschen driften in radikale Gruppierungen ab, sie werden in ihrer Meinung durch die Bubble, in der sie sich aufhalten, immer mehr verstärkt, verlernen, andere Meinungen auszuhalten, da sie ja nur selten damit konfrontiert werden, verlernen, zu diskutieren und haben kein Vertrauen mehr in die Demokratie. Viele wenden sich radikalen Führern zu, weil diese stark wirken und angebliche Sicherheit bieten, oftmals aus Mangel an realen guten Vorbildern. Für das alles sollten dringend Lösungen gefunden werden! Es gibt schon viele Ansätze und Projekte, vom Mehrgenerationenhaus über Plauderbänke zu Jugendcafés, viele Gemeinden sind kreativ und engagieren sich stark, doch es braucht noch viel mehr. Vor allem auch die Initiative jedes Einzelnen! Denn Einsamkeit macht krank. Sie senkt die Lebenserwartung, fördert Herz-Kreislauf-Erkrankungen, Depressionen, Demenz und Angstzustände. Sie bringt uns dazu, uns zu wenig zu bewegen und zu viel zu sitzen, was natürlich nochmals einen Rattenschwanz an Krankheiten nach sich zieht. Und das alles kostet auch unfassbar viel Geld. Wir müssen raus aus der Einsamkeit und wieder rein in’s richtige Leben! Wir sind Menschen und keine Maschinen und sollten das auch bleiben. Auch ich muss wieder raus, denn ich bin auch einsam. Allerdings ist das eine selbstgewählte Einsamkeit, so eine Art Eremiten-Jahr. Ich habe die Chance genutzt, mehr Zeit und Ruhe für meine Projekte zu haben, endlich an meinen Songs zu arbeiten und meine Bilder fertigzustellen, dann kam noch der Podcast dazu, in dem ich mir ohne Ziel oder Hintergedanken einfach einiges von der Seele reden und mich mit ein paar anderen Menschen austauschen kann. Denn an den meisten Tagen der Woche sehe ich, da ich auch noch komplett im Homeoffice arbeite, oft nur meinen Sohn, mit dem man keine großen Gespräche führen kann, abends kurz meine Schwester, mit der ich ein großes Haus teile und noch kurz den Busfahrer meines Sohnes. Auch der ist einsam. Mein Sohn, nicht der Busfahrer. Da er einen sehr seltenen Gendefekt hat (sollte jemand mit einer Mutation, den Calcium-Kanal betreffend, zuhören, bitte melden!) und diverse große Päckchen mit sich trägt, geht er auf eine Schule für Kinder mit Beeinträchtigungen. Außerhalb der Schule gibt es keine Kontakte zwischen den Kindern und Freundschaften mit Nachbarskindern finden ebenso wenig statt. Unser Leben ist also gerade etwas ungesund, in jeder Hinsicht. Psychisch und auch körperlich. Ja, die Kilos, die vor einigen Folgen noch gepurzelt sind, sind wieder drauf…. Doch das wird sich bald wieder ändern, dann gibt es wieder einen kleinen Neuanfang und bis dahin bin ich einfach nur froh und dankbar, dass ich endlich mal was nur für mich tun konnte.

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