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Alles auf Anfang, Folge 11

Schweizerdeutscher Mitmach- und Mutmach-Podcast über Neuanfang, Veränderung, Chancen und Ängste

20.07.2026 12 min

Zusammenfassung & Show Notes

Nach der letzten Folge, als es um das Alleinsein ging, geht es heute darum, was nach dem Alleinsein kommt. Wie man sich wieder auf jemand neuen einlassen kann.

Transkript

Podcast Folge 11 Letzte Woche haben wir uns mit dem Alleinsein und den Schwierigkeiten, die viele Menschen damit haben, befasst. Heute soll es darum gehen, was nach dem Alleinsein kommt, wenn man sich wieder auf jemanden einlässt, nach der Zeit, in der man sich mit sich selbst beschäftigt hat und gewachsen ist und neues, vor allem neues über sich selbst, gelernt hat. Wie man etwas neues aufbaut, mit dem, was man jetzt weiß. Oft muss man ja aufpassen, nicht in die alten Muster zurückzufallen, Fehler nicht zu wiederholen und nicht wieder aus dem Schmerz, den wir erfahren haben, heraus zu reagieren. Denn oft war es ja ein Schmerz, aus dem man neues lernen konnte. Vielleicht hat uns dieser Schmerz dazu gebracht, allen zu misstrauen, Mauern zu errichten, Türen zu schließen und dann wird es schwierig, sich auf eine neue, gesunde Beziehung einzulassen. Doch dann haben wir nichts gelernt, oder? Wenn wir immer wieder die gleiche Beziehung führen, mit unterschiedlichen Partnern, aber denselben Mustern, dann durchleben wir einfach immer wieder denselben Schmerz und so kommen wir nicht weiter. Die Dinge, die uns der Schmerz vielleicht gezeigt hätte, die Sachen und Gewohnheiten, die wir ändern sollten, haben wir verdrängt, statt aus ihnen zu lernen. Es ist dann so, als ob uns das Leben die immergleiche Lektion lehrt, bis wir sie irgendwann gelernt haben und anders damit umgehen. Ich finde, das ist etwas vom Schwierigsten überhaupt und ich möchte nicht behaupten, dass ich die Prüfung schon bestanden hätte. Doch ich habe die Hoffnung, dass ich sie beim nächsten Mal bestehe. Denn in ein paar sehr bewussten Jahren als Single habe ich vieles gelernt und bin weit davon entfernt, einfach wieder in die nächste ungesunde Beziehung zu stolpern. Und die bisherigen waren alle ungesund. Doch, so sehr wir auch verletzt, verraten oder verlassen wurden, in unseren Beziehungen, in unserer Kindheit, wir sind nicht mehr dort und wir müssen uns aktiv dafür entscheiden, nicht aus dem Schmerz der Vergangenheit zu reagieren, sondern aus der Gegenwart und mit Klarheit und Bewusstheit. Die Platte dreht sich sonst endlos auf dem Plattenteller und wir hören das immergleiche Lied, auch wenn wir gerne mal eine andere Platte auflegen und ein anderes Lied hören würden. Und das Schlimmste ist, wenn wir weiterhin vom Schmerz aus vergangenen Zeiten geführt werden, reißen wir auch andere mit uns mit. Wir ziehen unsere Kinder und Partner mit runter, unsere Freunde und andere, die das nicht verdient haben. Wir können den Schmerz nicht rückgängig machen, aber wir müssen uns nicht von ihm beherrschen lassen. Wir können ihn auch noch spüren, doch wir entscheiden, wie wir darauf reagieren! Denn wenn wir nicht entscheiden, entscheiden andere, in dem Fall der alte Schmerz. Der erklärt zwar vieles, aber wir sind erwachsen und müssen aufhören, uns damit zu rechtfertigen. Genau das ist Lernen und Reifen und Heilen. Wünscht ihr euch manchmal, wieder jung zu sein? Nochmals am Anfang zu stehen? Ich nicht, oder nur sehr selten und wenn, dann mit dem Wissen von heute. Denn mit diesem Wissen, diesem riesigen Schatz an Erfahrungen, würden wir vermutlich vieles anders machen als wir es damals gemacht haben. Zum Glück erübrigen sich solche Fragen, da sich die Zeit nun mal nicht zurückdrehen lässt. Wieso aber denken so viele, dass sie wieder die Person sein wollen, die sie vor der Trennung oder vor einem anderen Bruch in der Biografie waren? Das geht doch genauso wenig und wollen sie das wirklich sein, trotz dem neuerworbenen Wissen? Ist es nicht viel schlauer und gesünder und sinnvoller, sich neu aufzubauen? Neu zusammenzusetzen? Eine neue Platte aufzulegen und dazu zu tanzen? Wenn wir von einem Schmerz in Stücke gerissen werden, wieso sollten wir die Stücke wieder genau gleich zusammenkleben und wieso nicht neu zusammensetzen? Wenn wir ein Hau aus Trümmerteilen und morschem Holz bauen, können wir doch annehmen, dass das nicht sonderlich lange hält, wieso also nicht neu bauen? Mit unserer Erfahrung als Baumeister unseres Lebens müsste das doch machbar sein! Wir können nicht zurück, wir können auch nicht so tun, als hätten wir etwas nicht gesehen oder nicht erlebt, aber wir können uns mit all dem Erlebten neu aufbauen. Seht den Neuanfang als Chance! Probiert neue Dinge aus, neue Hobbies, macht neue Erfahrungen und neue Bekanntschaften. Tut das, was ihr immer schon mal tun wolltet und fasst neue Ziele in’s Auge. Und vor allem: pfeift auf die gesellschaftlichen Erwartungen! Sie schaffen nur unnötigen Druck und bringen uns nichts. Und bitte: seid um Himmels Willen nicht perfekt! Der ganze Selbstoptimierungswahn, der momentan überhandnimmt, ist doch völlig übertrieben und wo bleibt denn da der Spaß? Wir haben nur das eine Leben, ist es tatsächlich nötig, die Makronährstoffe jeder unserer Mahlzeiten grammgenau zu notieren? Unseren Schlaf und unsere bitte unbedingt natürlich täglichen Sporteinheiten zu messen? Ist es so wichtig, ob die linke Augenbraue perfekt symmetrisch genau gleich gezupft ist wie die rechte? Ist es wichtig, so toll auszusehen wie die Influencerin, die wir in ihrer perfekt aufeinander abgestimmten Kleidung, den hübschen Wellen im Haar bei schönstem Wetter vor dem Eiffelturm posierend auf den professionell ausgeleuchteten Fotos in den sogenannten sozialen Medien bewundern? Ist es nicht viel wichtiger, im wahren Leben von Freunden umgeben zu sein, zu lachen, zu tanzen, zu jubeln? Oder selbst zum Eiffelturm zu fahren? Ist es nicht viel wichtiger, das zu machen, was uns wirklich erfüllt, egal, was die Nachbarn darüber denken oder was die Gesellschaft davon hält? Wir haben viel gelernt, viel Wissen angehäuft. Nutzen wir dieses Wissen. Wenn es schon die Menschheit insgesamt nicht schafft, das Wissen zu nutzen, das eigentlich vorhanden wäre und gegen den Klimawandel, Hunger, Elend und Zerstörung und gegen die Gier ein paar weniger Übermächtiger anzugehen, nutzen wir doch wenigstens das Wissen, das wir selbst haben für unseren Neuanfang. Für unser neues Selbst. Für das Glück unserer weiteren Jahre und das unserer Familie. Nutzen wir das Wissen und stolpern wir nicht einfach ins nächste Kapitel unseres Lebens mit dem ewiggleichen Lied als Ohrwurm in unserem Kopf. Auch wenn wir nicht gerne alleine sind oder überzeugt davon, es einfach nicht zu können, trotzdem sollten wir uns erst neu aufbauen. Wie es so schön heißt: hinfallen, aufstehen, Krönchen richten und weiter geht’s. Und für’s Krönchen richten sollten wir uns die nötige Zeit nehmen, es soll richtig gut auf unserem Kopf sitzen! Ja, das Alleinsein kann schon richtig schlimm sein. Vorletztes Weihnachten sah es so aus, als ob ich Heiligabend und am 25. Dezember ganz allein sein würde. Und obwohl ich überhaupt nicht religiös bin und auch gerne alleine bin, fand ich das ganz schrecklich. Was sagt das über mich aus? Es muss doch etwas mit mir nicht stimmen, wenn niemand mit mir Weihnachten verbringen möchte, solche Gedanken tauchen dann auf und der nächste Gedanke lautet dann: „oh Mann, in dreissig Jahren werde ich tot in der Wohnung liegen und wochenlang wird es keine Sau bemerken…“ Das war sehr unschön. Ich fing schon an, mir Notizen für einen Song über das blöde Gefühl, an Weihnachten alleine zu sein, zu machen, habe ihn dann aber bisher nicht fertiggestellt. Schlussendlich war ich dann auch überhaupt nicht alleine, ich hatte zwar mit niemandem darüber gesprochen, dass ich allein sein würde und sowieso nicht darüber, dass es mir erstaunlicherweise auch etwas ausmachte, doch es kamen immer mehr Leute zusammen, bei meiner Tochter und ihrem Freund änderten sich die Pläne, mein Sohn und sein Papa feierten dann bei mir und so weiter, es war fast schon turbulent! Doch das Gefühl war scheußlich und ich kann jeden verstehen, der damit seine Schwierigkeiten hat. Und trotzdem dürfen wir nicht einfach aus Angst oder Panik in irgendwas reinstolpern, dass uns zwar erleichtert oder uns ein vertrautes Gefühl gibt, abgesehen davon uns aber nicht guttut oder uns sogar schadet. Ohne uns zuerst um uns selbst zu kümmern, uns auf- und neu auszurichten, verschieben wir das Problem nur weiter von uns weg in die Zukunft und drehen einfach noch eine Runde in dem wackeligen und schon ziemlich verrosteten Riesenrad mit den bequemen und gut eingesessenen Sitzen, in der Hoffnung, dass es in dieser Runde schon gut geht. Seid ihr noch auf dem Riesenrad? Knirscht und knackt es auch an allen Ecken und Enden und trotzdem steigt ihr nicht aus und zahlt noch einmal für eine Runde? Oder seid ihr beim letzten Stopp endlich ausgestiegen und überlegt jetzt, auf welche wilde Bahn ihr als nächstes gehen könntet? Vielleicht erstmal eine Runde durch’s Spiegelkabinett?

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