Since 06/2026 15 Episoden

Alles auf Anfang, Folge 10

Schweizerdeutscher Mitmach- und Mutmach-Podcast über Neuanfang, Veränderung, Chancen und Ängste

13.07.2026 13 min

Zusammenfassung & Show Notes

In der zehnten Episode geht es um Beat und seine Schwierigkeiten, mit der Einsamkeit nach seiner Trennung umzugehen.

Transkript

Podcast Folge 10 Einen wunderschönen Sommer-Montag euch allen! Wir hatten ja letzte Woche Anna’s Geschichte gehört und es kamen Zuschriften von Frauen in ganz ähnlichen Lagen. Ein paar Mal wurde auch geschildert, wie das empty-nest-Syndrom erlebt und erfolgreich hinter sich gebracht wurde. Ganz allgemein herrscht viel Verständnis für Anna und ihre Überlegungen und logischerweise gibt es nicht die eine, allgemeingültige Lösung, dafür sind wir alle und unsere Lebensumstände zu individuell. Es wird Anna geraten, nichts zu überstürzen und es wird auch empfohlen, eine Therapie in´s Auge zu fassen, ob mit dem Ehemann oder alleine. Und eine lange Auszeit, zum Beispiel Ferien mit Freundinnen oder auch alleine ist ebenfalls ein gutes Mittel, um sich über einiges klar zu werden, den Kopf frei zu bekommen und auch einfach mal einen Schritt zurücktreten zu können und die Situation von außen zu betrachten, ohne den Alltag, der einen so nervt und ohne in der ewiggleichen Spirale festzustecken. Neue Hobbies entdecken, Auszeiten für sich selbst in die Woche einbauen, sind ebenfalls sehr wichtig. Ich hoffe sehr, dass Anna einen tollen Neuanfang für sich findet, ob im Alten oder ganz Neuen und vielleicht erfahren wir ja mit etwas zeitlichem Abstand, wie es ihr ergangen ist? Das wäre schön!! Nach der Geschichte mit A folgt nun die mit B. B wie Beat. Beat hat eine Trennung hinter sich. Die Wunden sind nicht mehr ganz frisch und die Trennung war auch absehbar und nicht unglaublich schmerzhaft. Doch nun merkt Beat, zurück im Alltag, dass er große Schwierigkeiten mit dem Alleinsein hat. Früher war er gerne mal für sich, es hat ihn nie gestört, alleine zu Hause zu sein, oder ohne Begleitung etwas zu unternehmen. Doch wenn er nun zu Hause ist, ist es so still, sogar, wenn er ganz laut Musik hört. Er tigert in der Wohnung umher und weiß nichts mit sich anzufangen. Er versucht, sich aufzuraffen und die Dinge anzupacken, die er vor sich hergeschoben hatte, weil nie Zeit da war, er versucht, wieder seinen Hobbies nachzugehen oder Freunde zu treffen, doch es gelingt ihm nur selten. Bei der Arbeit ist er froh, unter Leuten und abgelenkt zu sein, doch wenn er nach Hause kommt, empfängt ihn nicht mehr das wohlig warme Nest, sondern eine kalte, unwirtliche Wand. Und das liegt nicht an der Wohnung, die ist sehr gemütlich eingerichtet und verfügt über viel Altbau-Charme und durch die Streitereien in den Monaten vor der Trennung war sie auch alles andere als ein Nest gewesen, doch diese Leere jetzt ist einfach unerträglich. Kennt ihr das auch? Könnt ihr gut alleine sein oder braucht ihr immer jemanden um euch herum? Ich selbst kann super alleine sein, doch es gibt ein paar Leute in meinem Umfeld, die das so gar nicht können. Ein Ex von mir beispielsweise hat sich nach unserer Trennung ziemlich schnell eine neue Freundin gesucht, allerdings ist er auch mit ihr nicht wirklich glücklich geworden und ich denke auch nach wie vor, dass er mit mir nur zusammen war, weil er nicht allein sein wollte und konnte. Nach einer Trennung, auch wenn sie notwendig war, kommen viele verschiedene Gefühle auf und das, was Beat schildert, ist natürlich nicht selten. Die Einsamkeit kann uns auf verschiedenen Ebenen treffen. Wir können plötzlich das Gefühl haben, ganz alleine auf der Welt zu sein und das kann absolut überwältigend sein, auch wenn wir sonst nie Mühe damit hatten, mit uns selbst allein zu sein. Es kann auch ein Verlust von Sicherheit bedeuten, wenn wir einen Neuanfang nach einer Trennung erleben. Auch wenn das Nest, das wir davor kannten, vielleicht nicht besonders gemütlich war, oder möglicherweise sogar äußerst ungemütlich, so war es doch unser Nest. Das, was wir kennen, das, was uns vertraut ist und das gab uns Halt und Sicherheit. Genau wegen dieser Vertrautheit und der Gewohnheit verharren wir ja viel zu oft zu lange in ungesunden Situationen. Was nach der Trennung ebenfalls fehlt, ist das Gegenüber, das uns spiegelt. Die Person, die uns sehr gut kennt und mit der wir eine gemeinsame Sprache entwickelt hatten. Die Person, die weiß, wie wir unseren Kaffee am Morgen am liebsten mögen, die unsere Sätze beenden kann, von der wir dachten, dass sie uns wirklich kennt und weiß, wer wir eigentlich sind, die Person, die uns zwar oft genervt hat, aber die uns auch verstanden hat. Fehlt dieser Spiegel nun, fühlt es sich an, als fehlte ein Teil von uns. Und kurz nach einer Trennung fühlen wir uns manchmal so, als sei dieser Teil für immer verloren. Oft stellen wir auch unsere Beziehungsfähigkeit insgesamt in Frage. Wir haben viel gegeben, viel in die Beziehung investiert und fragen uns, ob wir dazu noch einmal in der Lage sein werden und ob sich der ganze Aufwand überhaupt nochmals lohnt, wenn wir ja dann doch nur mit gebrochenen Herzen wieder zurückgelassen werden. Wir haben unser Vertrauen geschenkt, uns gezeigt, wie wir nun mal sind, mit all unseren Ecken und Kanten, wir haben uns geöffnet und riskiert, verletzt zu werden, was dann auch genau passiert ist. Vielleicht denkt auch der eine oder andere, dass, wenn es mit diesem einen Menschen schon nicht geklappt hat, es vielleicht gar nie klappen wird. Oder wir sehen uns als totale Versager, die nicht mal eine Beziehung hinkriegen und suchen den Fehler bei uns und kommen zum bekannten Schluss: Wir sind nicht gut genug. Doch das Alleinsein hat nicht nur schlechte Seiten und manchmal wissen wir das auch, können es nur nicht sehen, weil der Schmerz und die Einsamkeit grad einfach zu überwältigend sind. Mal abgesehen von der Anwesenheit von Kindern oder anderen Angehörigen: Das Alleinsein bietet uns Raum für uns selbst. Raum zur Entfaltung, für Kreativität und Selbstbestimmung. Wir müssen uns nicht mehr dauernd rechtfertigen, müssen nicht mehr das Menu absprechen, uns nicht wegen Belanglosigkeiten streiten und keine Kompromisse eingehen. Wir können zur Ruhe kommen und auch ganz wilde Dinge tun, wie: auf der anderen Seite vom Bett schlafen. Das Dessert vor dem Hauptgang essen. Die Haare einen ganzen Tag lang ungestylt lassen. Beim Film vorspulen und so oft durchs Radioprogramm zappen, bis uns ein Song gefällt. Die Klotür offenlassen oder andere rebellische Akte vollführen. Und die gute Nachricht: Alleinsein lässt sich lernen. Viele Menschen haben große Angst vor der Einsamkeit. Sie verstecken die Angst hinter geschäftigem Treiben, Lärm und Hektik, lenken sich mit Bildschirmen, Süchten und schlechter Gesellschaft ab. Und viele stürzen sich in Beziehungen, die ihnen eigentlich nicht guttun, nur, um nicht alleine zu sein. Weil sie denken, es sei besser, IRGENDJEMANDEN zu haben, als niemanden. Doch das ist nie richtig. Schlechte Menschen um sich zu haben, ist schlimmer, als keine Menschen um sich zu haben. Sie geben dir nichts, sondern rauben deine Zeit und deine Kraft und entfernen dich von dir selbst. Und sie lassen dich zu Lügnern werden, jedes Mal, wenn du nichts sagst, nur weil du Angst hast, verlassen zu werden, wenn du Dinge akzeptierst, die dir eigentlich nicht gefallen, nur damit sich jemand anderes wohlfühlt. Einsamkeit bringt einen nicht um. Sie macht uns klarer und wahrhaftiger und wir sollten sie nicht fürchten. Wir sollten vielmehr fürchten, uns zu verlieren, und uns mit irgendwas zufrieden zu geben, was uns nicht nährt. Deswegen müssen wir nicht gleich das Beitrittsformular für das örtliche Kloster ausfüllen oder unser Doppelbett gegen ein Einzelbett tauschen, in der Erwartung, nie wieder eine Beziehung zu haben. Wie aber lernen wir nun, gut mit uns allein sein zu können, wenn wir bisher nicht besonders gut darin waren? Zunächst einmal müssen wir in’s Handeln kommen. Wir müssen Dinge, die zum Beispiel bislang unser Partner erledigt hat, selbst erledigen. Dadurch sehen wir kleine Erfolge, sehen, wozu wir in der Lage sind und stärken so unser Selbstvertrauen. Einige Sachen, die wir nicht selbst machen möchten oder können, können wir vielleicht auch an jemand anderen delegieren und so erfahren, dass wir um uns ein ganzes Netz haben, das uns unterstützt und dass wir nicht auf eine einzige Person angewiesen sind. Und auch der Spiegel, der uns in der Partnerschaft begleitet hat, kann von anderen Menschen um uns herum hochgehalten werden. Wir lernen so, dass wir nicht von jemandem abhängig sind und durch die verschiedenen Menschen, die uns spiegeln, sehen wir auch selbst mehr Facetten von uns. Und, ganz wichtig, wir müssen uns in Selbstfürsorge üben. Was nicht bedeutet, einmal in der Woche eine Gurkenmaske aufzulegen oder sich für einen Yoga-Kurs anzumelden, sondern Verständnis haben für uns selbst, nette Worte in unsere Gedanken einfließen lassen, sich im Spiegel zulächeln und sich Schritt für Schritt ein Zuhause in sich selbst bauen, wo man sich wohl fühlt. Wir müssen unsere Bedürfnisse wahrnehmen und uns selbst spüren und wir sollten uns auch immer wieder sagen, dass wir mit all unseren Ängsten nicht alleine sind, denn jeder kennt die genau gleichen Ängste. Und wenn wir lernen, sie auszuhalten und an ihnen zu arbeiten, werden wir sie überwinden und gestärkt daraus hervorgehen und glücklich sein mit uns selbst und irgendwann vielleicht auch wieder mit jemand anderem zusammen. Jemandem, der uns guttut. Erzählt mir von euren Erfahrungen mit Trennungen und mit dem Alleinsein. Habt ihr vielleicht ein paar Tipps für Beat und alle anderen, die das Alleinsein lernen müssen?

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